Heute verfügt nahezu jedes größere Unternehmen über ein Loyalitätsprogramm.
Viele haben Millionen in dessen Aufbau investiert.
Kunden sammeln Punkte.
Erhalten Rabatte.
Erreichen Statuslevel.
Nutzen Apps.
Lösen Prämien ein.
Und das Management berichtet stolz über Millionen von Mitgliedern.
Auf den ersten Blick sieht das nach Erfolg aus.
Doch eine Frage wird erstaunlich selten gestellt:
Wie viele dieser Kunden sind tatsächlich loyal?
Mitgliedschaft ist nicht Loyalität.
Punkteeinlösungen sind nicht Loyalität.
Und selbst Wiederkäufe sind nicht automatisch Loyalität.
Viele Unternehmen haben Programme aufgebaut, die hervorragend darin sind, Teilnahme zu erzeugen. Deutlich weniger Programme schaffen es, Kundenbeziehungen nachhaltig zu stärken.
Aus unserer Sicht liegt das häufig an vier grundlegenden Denkfehlern.
Denkfehler 1: Kunden identifizieren sich automatisch
Eine der wichtigsten Fragen im Loyalty-Bereich wird erstaunlich selten gestellt:
Warum sollte sich ein Kunde bei jedem Kontakt mit dem Unternehmen identifizieren?
Der Kunde investiert Zeit.
Er gibt Daten preis.
Er verändert sein Verhalten.
Was erhält er dafür?
Zu oft lautet die Antwort:
Eine lange Liste von Vorteilen.
Rabatte.
Aktionen.
Partnerangebote.
Gewinnspiele.
Exklusive Inhalte.
Das Problem ist nicht die Anzahl der Vorteile.
Das Problem ist das Fehlen eines überzeugenden Nutzens.
Viele Loyalitätsprogramme besitzen keinen klaren Kundenvorteil.
Einen Grund, warum Kunden unbedingt Teil des Programms sein möchten.
Einen Nutzen, den sie vermissen würden, wenn sie nicht Mitglied wären.
Zu viele Unternehmen entwickeln Loyalty-Programme aus Unternehmenssicht statt aus Kundensicht.
Denkfehler 2: Alle Kunden sollen alles bekommen
Viele Unternehmen haben Angst davor, Kunden auszuschließen.
Deshalb bleiben nahezu alle Vorteile für alle Kunden verfügbar.
Das Loyalitätsprogramm wird zu einer zusätzlichen Schicht, aber nicht zu einer echten Differenzierung.
Die Folge:
Kunden sehen wenig Grund zur Teilnahme.
Erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle haben dieses Problem über Freemium-Konzepte gelöst.
Jeder erhält ein starkes Basisangebot.
Jeder erhält ein gutes Kundenerlebnis.
Zusätzlicher Mehrwert wird jedoch für Kunden geschaffen, die sich bewusst für eine intensivere Beziehung entscheiden.
Genau diese Logik kann auch im Loyalty-Bereich funktionieren.
Nicht durch Einschränkungen.
Sondern durch relevanten Mehrwert.
Denkfehler 3: Rabatte werden mit Loyalität verwechselt
Der wohl häufigste Denkfehler besteht in der Annahme, finanzielle Vorteile würden Loyalität schaffen.
Punkte.
Coupons.
Cashback.
Rabatte.
All diese Mechaniken können Verhalten beeinflussen.
Verhalten zu beeinflussen ist jedoch nicht dasselbe wie Loyalität aufzubauen.
Kunden werden häufig loyal gegenüber dem Vorteil – nicht gegenüber dem Unternehmen.
Sobald ein Wettbewerber attraktivere Anreize bietet, wird die Beziehung fragil.
Deshalb müssen Unternehmen zwischen rationaler und emotionaler Loyalität unterscheiden.
Rationale Loyalität entsteht durch Preise, Bequemlichkeit, Erreichbarkeit und praktische Vorteile.
Emotionale Loyalität entsteht durch Anerkennung, Vertrauen, Zugehörigkeit, Identifikation und persönliche Relevanz.
Viele Loyalitätsprogramme optimieren für rationale Loyalität, behaupten aber gleichzeitig, emotionale Loyalität aufzubauen.
Beides erfordert unterschiedliche Strategien.
Denkfehler 4: Die besten Kunden werden fast wie alle anderen behandelt
Besonders sichtbar wird dies bei den wertvollsten Kunden.
In vielen Branchen generieren Topkunden ein Vielfaches des durchschnittlichen Kundenwerts.
Trotzdem erleben sie häufig nahezu dieselbe Kommunikation.
Denselben Newsletter.
Dieselben Aktionen.
Dieselbe Customer Journey.
Zur gleichen Zeit werden diese Kunden von Premium-Reiseanbietern, Luxusmarken, Private-Banking-Häusern oder Automobilherstellern gezielt und individuell betreut.
Die erfolgreichsten Loyalty-Strategien konzentrieren sich deshalb nicht darauf, alle Kunden gleich zu behandeln.
Sondern darauf, unterschiedliche Kunden angemessen unterschiedlich zu behandeln.
Anerkennung zählt.
Relevanz zählt.
Differenzierung zählt.
Und Beziehungen zählen.
Die Zukunft erfolgreicher Loyalitätsprogramme wird nicht durch höhere Rabatte, mehr Punkte oder komplexere Bonusmechaniken entschieden.
Sie wird von den Unternehmen gewonnen, die ihre Kunden besser verstehen und dieses Verständnis in relevante Erlebnisse übersetzen.
Denn Loyalität entsteht nicht durch Belohnungen.
Loyalität entsteht durch Beziehungen.